Jörg Heinrich
Interview
TheaterKontakte:Wie bist Du zur Schauspielerei gekommen?
Heinrich:Ich habe mich 1979 auf eine Annonce des damaligen DDR-Fernsehens beworben. Es ging um die Besetzung der Rolle "Holger" in der Fernsehserie "Geschichten übern'n Gartenzaun", einer 7-teiligen Fernsehserie a einer Stunde.
Unter etlichen Bewerbern erhielt ich den Zuschlag und so stand ich mit knapp 15 Jahren dann das erste Mal vor der Kamera. Ich durfte u. a. neben so bekannten (zumindest in der DDR) SchauspielerInnen wie Rolf Herricht, Günter Schubert und Doris Abeßer spielen. (Günter Schubert traf ich später, nachdem ich schon einige Jahre im Beruf war, bei einem Dreh für den "Fahnder" wieder. Er hat sich "gerächt" und durfte mich erschießen.) Die Serie wurde ein großer Erfolg (läuft heute immer noch auf den dritten Programmen) und so kam die nächste Staffel unter dem Titel "Neues über'n Gartenzaun".
Insgesamt hatte ich also beim Drehen von 14 Folgen genügend Gelegenheit, Blut zu lecken. Mit 17 bewarb ich mich dann an den vier DDR-Schauspielschulen und in Rostock, einer Außenstelle der "Ernst-Busch", Berlin hatte es dann geklappt. Später wechselte ich an die "Hans-Otto" nach Leipzig und machte dort, parallel zu meinen ersten Theaterengagements, meinen Abschluss.
 
TheaterKontakte:Würdest Du Deinen Berufsweg als glatt bezeichnen?
Heinrich:Um Gottes Willen, nein. Es gab Rückschläge. Aber diese führten dazu, dass ich lernte, mich umso mehr durchzubeißen. Nicht mit unfairen Mitteln und Ellenbogen. Somit hieß es, ständig Können und Qualität zu verbessern und die bis dahin gesammelte Lebenserfahrung einfließen zu lassen.
 
TheaterKontakte:Was begeistert Dich an Deinem Beruf am meisten?
Heinrich:Wer kann schon einem Beruf nachgehen, in dem er heute Bettler, morgen König, übermorgen der Bösewicht schlechthin und am Tag darauf der wünschenswerte Schwiegersohn ist? Wenn man so will, kann man in einem Leben mehrere führen, man muss sich nur darauf einlassen und in die jeweiligen Rollen einleben.
 
TheaterKontakte:Wie siehst Du Deine Zusammenarbeit mit anderen Kollegen und Kolleginnen?
Heinrich:Ich habe 1999 das Solo "Helden wie wir" gespielt. Es lief über 30-mal sehr erfolgreich und die reine Spieldauer betrug jeweils 2 x 1 Stunde. Es waren die einsamsten Stunden in meinem Schauspielerleben. Da steht man völlig auf sich gestellt und keiner kann einem helfen, auch nicht, wenn man einen Hänger hat, denn es gab kein Netz und doppelten Boden. Klar, der Vorteil war, dass ich den Beifall allein einheimsen konnte (ich bin ja nicht uneitel).

Bei der Zusammenarbeit mit KollegInnen habe ich die Beobachtung gemacht, dass diejenigen, die wirklich etwas können, sehr kollegiale Partner sind und sich auf die Rolle, das Spiel und ihre Kollegen konzentrieren. Diejenigen, die zwanghaft etwas darstellen müssen und sich in den Vordergrund spielen, haben schon verloren. Man kann recht schnell Schein von Sein unterscheiden.
 
TheaterKontakte:Gibt es eine Rolle, die Du besonders gerne mal spielen würdest?
Heinrich:Früher war das mal der "Hamlet" - dafür bin ich jetzt zu alt. Nein, ich denke, (fast) alle Rollen sind interessant, es kommt darauf an, was man aus ihnen macht und wie Regie und Schauspieler es schaffen, das Optimum rauszuholen.
 
TheaterKontakte:Wirklich keine Lieblingsrolle?
Heinrich:Na ja, klar spiele ich am liebsten die Bösewichte. Oder die Loser. Mal ehrlich, die Winner oder die netten Schwiegersöhne sind doch nicht so interessant, wie einer, der sich über alle Konventionen hinwegsetzt oder ein gebrochener Lebenslauf. Bei der Rolle eines Bösewichts hat man zudem die Chance, alle seine Abgründe ausleben zu können, ohne dafür gesellschaftlich sanktioniert zu werden.
 
TheaterKontakte:Welches Projekt hat Dir am meisten Spaß gemacht oder Dich am meisten weitergebracht?
Heinrich:Guten Gewissens kann ich da wirklich keines nennen, was über allen anderen steht. Es gab Projekte, da nimmt man das an Erfahrungen und Fortschritt mit, bei anderen jenes. Klar gab es auch langweilige Produktionen, aber eher selten.

Toll ist, wenn man eine anspruchsvolle Rolle hat, diese mit Hilfe der Regie sehr gut ausfüllen kann und als Sahnehäubchen dann noch in einem guten Team spielen darf.
 
TheaterKontakte:Wenn Du nochmal wählen könntest, würdest Du Dich wieder für die Schauspielerei entscheiden?
Heinrich:Das muss man wirklich vom Zeitpunkt und der bis dahin erfolgten Entwicklung abhängig machen. Wenn Film und Fernsehen eher zu Computerspielen werden und Theater nur noch als Begriff im Fremdwörterbuch zu finden ist - dann sicherlich nicht.

Wenn es aber genügend Zuschauer gibt, die an nicht computeranimierten SchauspielerInnen und Live-Bühnenacts interessiert sind - warum nicht?
 
TheaterKontakte:Welchen Tipp würdest Du jungen Schauspielern mit auf den Weg geben?
Heinrich:Auch auf die Gefahr hin, dass das jetzt altbacken klingt:

1. Nicht alles als selbstverständlich hinnehmen, ein wenig mehr Demut täte gut.

2. Erfolg ist toll - keine Frage - aber aus Niederlagen lernt man.
 
TheaterKontakte:Vielen Dank für das Gespräch!
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